Neue Sonderausstellung im Picasso-Museum präsentiert den Spanier als politischen Künstler
Münster. In Zeiten des Wahlkampfes zeigen Politik und Theater auffällige Parallelen. Auch das Münsteraner Picasso-Museum spannt in seiner neuen Ausstellung „Picasso, die Kommunisten und das Theater“ (28.4.-19.8.2012) einen Bogen zwischen Partei und Bühne. Die Schau verdeutlicht mit rund 80 – erstmalig in Deutschland ausgestellten –Zeichnungen, Grafiken und Fotos aus dem Musée d’art et d’histoire in Saint-Denis Picassos politisches Engagement für den Frieden und seine Faszination für das Schauspiel.
„Picasso wurde 1944 Mitglied der Kommunistischen Partei Frankreichs, die er mit zahlreichen Kunstwerken unterstützte“, erklärt Museumsleiter Prof. Dr. Markus Müller. Unter den ausgestellten Werken sind Titelbildentwürfe für kommunistische Zeitungen und Plakatmotive für Friedenskongresse. Mit der „Friedenstaube“ ist auch das prominenteste Beispiel seines Engagements in der Münsteraner Ausstellung vertreten. Die Grafik gilt als Picassos meistverbreitetes Werk, das über politische und geografische Grenzen hinweg zum weltweiten Symbol für den Frieden wurde. Die Präsentation umfasst neben den französischen Leihgaben auch zehn Tauben-Darstellungen aus dem Eigenbestand des Picasso-Museums.
Neben Picassos künstlerischer Arbeit für die Kommunisten dokumentiert die Ausstellung auch seine Leidenschaft für das Theater. Sie zeigt eine Reihe von 22 Handzeichnungen, die der Künstler 1967 für das vom englischen Kunsthistoriker Douglas Cooper verfasste Buch „Picasso Théâtre“ schuf. Zurückgreifend auf Gestalten der italienischen Commedia dell’Arte und Figuren des Barockzeitalters umkreist Picasso in großem Variationsreichtum die Welt der Bühne. Picasso verbindet in diesen Werken frühere Kostüm- und Bühnenentwürfe mit seiner späten Vorliebe, sich in seinen eigenen Bildern hinter historischen Figuren maskiert selbst zu inszenieren.
Das Musée d’art et d’histoire Saint-Denis
Die Sammlung des 1903 gegründeten Museums basiert auf Schenkungen von Bürgern an die Stadt Saint-Denis. Auch der französische Schriftsteller und bekennende Kommunist Paul Éluard vermachte 1951 seinem Geburtsort einen Großteil seiner Werke. Picasso folgte dem Beispiel seines engen Freundes und übergab dem Musée d’art et d’histoire im Laufe der 1950er und 1960er Jahre insgesamt 56 Arbeiten, darunter Porträts von Éluard sowie Fotos von Man Ray, Brassaï und seiner früheren Lebensgefährtin Dora Maar.
Deutsche Malerbücher
Vom Jugendstil zum Expressionismus
Parallel zu der Schau „Picasso, die Kommunisten und das Theater“ widmet sich das Picasso-Museum in der Ausstellung „Deutsche Malerbücher – Vom Jugendstil zum Expressionismus“ (28.4.-19.8.2012) der Kunst des illustrierten Buches. Insgesamt 38 Bücher und Mappenwerke präsentieren dem Besucher kunstvolle Holzschnitte, Lithografien und Radierungen.Aufwendig gestaltete Bücher von Henry van de Velde und Gustav Klimt führen zurück in die Zeit des Jugendstils, in der literarische Texte bspw. von Friedrich Nietzsche durch dekorativ-verspielte Illustrationen zu kostbaren Gesamtkunstwerken werden. Für den Impressionismus stehen Künstler wie Max Slevogt, Lovis Corinth und Max Liebermann, der mit flüchtigen aber nicht weniger kunstvollen Grafiken Theodor Fontanes Roman „Effi Briest“ illustriert.
Einen Höhepunkt der Schau bildet Max Beckmanns Grafikfolge „Der Jahrmarkt“. Mit insgesamt zehn Arbeiten ist der Zyklus als Gleichnis auf die menschliche Existenz angelegt, die Beckmann wiederholt als „Rummel“ bezeichnete. Wassily Kandinsky hingegen widmet sich der Beziehung von Farben, Musik und Bewegung: Mit seinen kolorierten Holzschnitten begleitet der Russe seine selbstverfassten Gedichte in dem Werk „Klänge“ (1913).
Die Arbeit der Künstlergruppe „Die Brücke“ ist in der Ausstellung mit Werken von Max Pechstein und Ernst Ludwig Kirchner vertreten. Kirchners schwarz-weiße Holzschnitte illustrieren mehrere expressionistische Texte seiner Zeit. Im Kontrast dazu stehen die farbig-plakativen Grafiken HAP Grieshabers, die er u.a. für Carl Orffs „Carmina Burana“ schuf. Gemeinsam mit Emil Schumachers Bibelillustrationen zeigen sie die verschiedenen Facetten der Abstraktion nach 1945.
Neben den Kunstwerken bietet die Schau auch ein Hörerlebnis rund um das Thema „Liebe“: Gedichte von Goethe, Werke wie „Daphnis und Chloe“ und „Von dem Fischer und seiner Frau“ von den Brüdern Grimm laden den Besucher im „literarischen Raum“ zum Zuhören und Verweilen ein.
Öffnungszeiten beider Ausstellungen:
Dienstag bis Sonntag: 10 Uhr bis 18 Uhr, Pfingstmontag geöffnet
Öffentliche Führungen:
Donnerstag: 16:30 Uhr, Samstag, Sonntag und Feiertage: 15 Uhr und 16:30 Uhr
Anmeldung unter Tel. 0251/41 44 710
Katalog und Audioguide:
Der Katalog zur Ausstellung „Picasso, die Kommunisten und das Theater – Das Musée d’art et d’histoire Saint-Denis“ (128 Seiten) ist im Museumsshop für 22 € erhältlich. Ein einstündiger Audioguide ist an der Museumskasse für 3 € ausleihbar.





